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Die Methode

Ein Neugeborenes wird mit ca. 100 Milliarden Neuronen (Nervenzellen) geboren. Dennoch ist das Gehirn bei der Geburt nur teilweise funktionsfähig. Vor allem die lebensnotwendigen Bereiche sind vernetzt und die Nervenfasern (Axone) sind mit Myelin ummantelt. Myelin ist eine fetthaltige Substanz, die Nervenfasern umhüllt, damit isoliert und die Übertragungsgeschwindigkeit erhöht. Nach und nach werden immer mehr Hirnregionen erschlossen. Ersichtlich wird dies an der raschen Fortentwicklung der Fähigkeiten des Menschen. Beim gesunden Kind ist die Entwicklung der Grundfunktionen durchschnittlich im Alter von 6 Jahren (Mädchen) bis 8 Jahren (Jungen) abgeschlossen. Grundfunktionen werden solche Fähigkeiten genannt, die Voraussetzung für eine optimale Weiterentwicklung sind.

Die Vernetzung und die Myelinisierung der einzelnen Hirnebenen werden durch die natürlichen Bewegungsmuster des Kindes in der entsprechenden Entwicklungsphase angeregt.

Das Besondere an den Bewegungsmustern der natürlichen Entwicklung ist, dass hier nicht isolierte Tätigkeiten wie z.B. das Krabbeln verbessert werden, sondern dass alle Funktionen der zugeordneten Hirnebene zur Entwicklung angeregt werden.

 
Wirkung der natürlichen Bewegungsmuster am Beispiel des Krabbelns:

Krabbelt ein Kind, so regt es die gesamte mittlere Hirnregion an, das heißt, es trainiert nicht nur

  • Motorik und Gleichgewicht

sondern verbessert gleichzeitig unter anderem folgende Systeme und Fähigkeiten:

  • Der Thalamus ist unser „Tor zum Bewusstsein“. Er dient unter anderem als Filter und überprüft die eingehenden Reize darauf, ob sie wichtig genug sind, um an das Großhirn weitergeleitet zu werden.
    Bei einer Fehlfunktion des Thalamus kommt es entweder zu einer erhöhten Ablenkbarkeit, da eine ungeheure Zahl unwichtiger Reize bis in unser Bewusstsein dringt, oder aber zu einer verminderten Aufmerksamkeit, wenn nur sehr starke Reize weitergeleitet werden.
  • Der Hypothalamus steuert unser Hormonsystem.
    Er spielt eine entscheidende Rolle bei Schlaf, Verdauung, Blutdruck, Temperaturregelung, Durst- und Hungergefühl.
  • Das limbische System steuert vor allem unsere Emotionen (Wut, Zorn, Furcht, Stimmungen, angenehme Gefühle). Es ist aber auch an unserem Gedächtnis beteiligt.
    So können Zornausbrüche aus nichtigem oder auch ohne Anlass auf eine Fehlfunktion im limbischen System zurückzuführen sein.
  • Die vertikale Augenbewegung wird von Hirnnerven gesteuert, deren Ursprung in der mittleren Hirnregion liegt.
  • Der Balken (Corpus callosum) verbindet unsere beiden Großhirnhälften und dient dem Informationsaustausch zwischen ihnen.
    Eine mangelhafte Ausbildung des Balkens, wie sie z.B. auch durch die Verwendung von Lauflernhilfen hervorgerufen werden kann, äußert sich unter anderem darin, dass man in einem Moment etwas weiß und kurz darauf nicht mehr. Auch Schwierigkeiten bei der Lösung von Textaufgaben können darin ihre Ursache haben.
  • Wenn wir unter Stress stehen, sollten wir uns den Anforderungen anpassen und schneller arbeiten können. Ist die mittlere Hirnregion jedoch nicht optimal vernetzt, so arbeiten wir unter Stress schlechter.
  • Unsere Ausdrucksmöglichkeiten mit Körpersprache und Satzmelodie, sowie das Verständnis dafür bei unseren Mitmenschen, ermöglichen es uns, viele Informationen auch ohne Worte auszutauschen. Können wir die Körpersprache der anderen nicht richtig interpretieren, so fehlen uns Informationen. Wir fühlen uns unsicher und reagieren falsch. Ist unsere Körpersprache für unsere Umwelt nicht verständlich, so missverstehen uns die Mitmenschen. Durch beides werden wir schnell zum Außenseiter.

Durch Robben, Krabbeln, Gehen und andere Muster der natürlichen Entwicklung können Nervenzellen also „zur Mitarbeit angeregt“ werden. Dies kann in jedem Lebensalter erfolgen.


Darüber hinaus ist es gelungen im Labor Nervenzellen zu vermehren. Deshalb erscheint es heute entgegen früherer Ansichten sogar möglich, dass nicht nur vorhandene Nervenzellen aktiviert, sondern auch neue Nervenzellen gebildet werden können.

 
Das Entwicklungsprofil

Glen Doman und Florence Scott erarbeiteten auf der Basis der Forschungen von Temple Fay und durch Beobachtung vieler Kinder ein Entwicklungsprofil. Jeder Hirnregion wurden darin die Grundfunktionen zugeordnet, die ein Kind beim Durchlaufen einer Entwicklungsphase (z.B. der Krabbelphase) erlernt und die für die Fortentwicklung der übergeordneten Fähigkeiten von Bedeutung sind. Dadurch wurde es möglich, Fehlfunktionen bestimmten Ebenen zuzuordnen und durch die entsprechenden Bewegungsmuster zu behandeln.

Die Zeilen des Entwicklungsprofils entsprechen in der Reihenfolge von unten nach oben den Hirnregionen, wie sie von einem Kind „in Betrieb“ genommen werden.

Jeder dieser Hirnregion werden darin Grundfunktionen in den Bereichen Sehen, Hören und Tasten für die Aufnahme von Reizen einerseits und Motorik, Sprache und Handfunktion als „Ausgabe“ des Gehirns andererseits zugeordnet.

Es handelt sich dabei um eine stark vereinfachte, auf das Wesentliche beschränkte Darstellung, denn selbstverständlich ist das menschliche Gehirn sehr komplex und funktioniert nicht in absolut getrennten Ebenen.

Aufbau von Fähigkeiten am Beispiel des Sehens:

Ein Kind wird mit dem Pupillenreflex geboren. Darauf aufbauend entwickelt es zuerst die Umrisswahrnehmung, dann die Detailwahrnehmung und das Erkennen und Unterscheiden von Symbolen, bis es die Fähigkeit des Lesens mit dominantem Auge besitzt.

Daneben werden zuerst die waagrechte, dann die senkrechte Augenbewegung ausgebildet. Daran schließt sich die Konvergenz der Augen an, d.h. dass beide Augen auf einen Punkt blicken und beide Bilder zusammen vom Gehirn zu einem dreidimensionalen Bild verarbeitet werden können.


Was bedeutet „Verletzung des Gehirns“?

Wie bei unserer Haut können wir uns auch Verletzungen des Gehirns zuziehen und wie bei der Haut können diese von sehr unterschiedlicher Qualität und sehr unterschiedlichem Ausmaß sein.

An der Haut kennen wir die Schürfwunde, die ohne Narbe verheilt, die Platzwunde, die mit einer kleinen Narbe abheilt und die schwere Verbrennung, die schwerste Narben hinterlässt.

Tritt eine Verletzung des Gehirns ein, so können entweder Nervenzellen selbst oder aber Verbindungen zwischen ihnen zerstört werden. Die Verletzung kann wie bei der Haut so klein sein, dass das Gewebe mühelos regeneriert werden kann. Sie kann auch von mittlerer Schwere sein, so dass wir bei bestimmten Dingen Schwierigkeiten haben, jedoch insgesamt wenig beeinträchtigt sind.
Eine Verletzung des Gehirns kann jedoch im Extremfall auch so schwer sein, dass wesentliche Funktionen ausfallen und dadurch eine schwere Behinderung entsteht.

 

 


 
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